Allein unter Männern

Ich bin eine Frau und ich studierte in einer Männerdomäne.

Aus Studentinnen und Studenten wurden die Studierenden – man will ja keinen dikriminieren oder benachteiligen. Gleichstellungsbeauftragte und anonyme Beschwerdekästen haben Hochkonjunktur. Und das alles für den Schutz weiblicher Mitbürger, umgangssprachlich als Frau bekannt.

Doch wie gestaltet sich das Leben als XX-Chromosomenträger in einem männerdominierten Bereich tatsächlich? Wagen wir einen Blick zu den Forstwissenschaften: Ein Gebiet, das klischeebedingt den Herren zugesprochen wird. Dort sind die Jäger, die Naturburschen. Und dann war da noch ich. Denn jedes Klischee hat seinen Ursprung und die Fünfzig-Fünfzig-Verteilung der Geschlechter in weiter Ferne. Man mag eine allgemeine Benachteiligung vermuten, in Wahrheit ist es schlicht an der Zeit, sich einzugestehen, dass geschlechterspezifische Interessen genau das sind: geschlechterspezifisch.

Diesen Fall gibt es ja auch andersherum. Meinen Bachelor bekam ich in Biologie und viele, viele andere junge Frauen auch, Männer waren da Mangelware.

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Die Fakultäten führen fleißig Buch über die Zugehörigkeit ihrer Studenten zu verschiedensten Gruppierungen. Daraus geht seit einigen Jahren die steigende Anzahl der Studentinnen in nahezu allen Bereichen hervor. Das generelle Verhältnis blieb relativ ähnlich, betrachtet man die einzelnen Studiengänge.

Maschinenbau und Informatik werden wohl noch ein weilchen auf den weiblichen Anstrich verzichten müssen. Die Spezies „Mann“ benötigt fast Schutzstatus in den Bereichen Kulturwissenschaften oder „Gesundheit & Soziales“.

Wie sich die Geschlechterquoten entwickeln, kann man als Fortschritt unserer gesellschaftlichen Entwicklung interpretieren. Vielleicht ist es aber auch der Öffentlichkeitsarbeit der Fakultäten zu verdanken.

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Frisch nach dem Abitur weiß noch nicht jede(r) so recht wo das Leben einen hin tragen soll. Da klingt Biologie noch wie „Ach schön, was mit Tieren“. Veranstaltungen wie „Lange Nacht der Wissenschaft“, Fakultätswerbungen und Ansprechpartner helfen schnell zu merken, welcher Inhalt sich tatsächlich verbirgt. So ist Biologie stark mathematisch geprägt, auch Physik und Chemie sind tragende Elemente, weit mehr als Blümchen und Bienchen. Auch der Bildungsweg zum akademischen Jäger und Sammler fordert mehr als Rehen auflauern und Tannen pflanzen. Kenntnisse in Politik, internationalem Recht und Umweltmanagement werden hier geprüft.

Pustekuchen mit den eindeutigen Zuordnungen zu Mann und Frau. Doch was heißt das nun praktisch für mich? Muss ich mich als Frau behaupten? Mich durchsetzen? Oder, schlimmer noch, regelrecht um meine Persönlichkeitsrechte fürchten? Fragen, die wie Schreckgespenster durch die Medien kreisen. Deckt sich aber nicht mit meinen Erfahrungen: Man arbeitet zusammen, unterstützt sich und gleicht Schwächen aus, völlig ungeachtet des Genotyps.

Zum Ende meines Studiums sagte ein Professor: „Mit Gendering beschäftigen sich jene, die kompensieren. Frauen die was können und wollen, legen einfach los.“.

Bild: Paul-Georg Meister / pixelio.de | Text: Anja Brenn
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