Der Soundtrack (m)eines Lebens

Der Soundtrack (m)eines Lebens Wie oft höre ich den Wunsch, dass das Leben am besten einen eigenen Soundtrack haben sollte. Ich kann diesen Wunsch nicht nachvollziehen, denn bei mir entspricht er tatsächlich der Realität. Diese Melodie in meinem Kopf, wenn ich zum ersten Date gehe. Oder auch nur zum Müll runterbringen. Music for President. Music for everyone.

Wenn der Musikgeschmack genetisch festgeschrieben wäre, na dann gute Nacht. Dann würde ich feuriger Anhänger von Andreas Gabalier sein. Na Dank Gott (oder wem auch immer), dass dem nicht so ist. Während mein Papa irgendwo zwischen ACDC und Peter Maffay jodelt, findet sich meine Mama überall und nirgends wieder. Keine Rockmusik, keine Volksmusik. Nichts Halbes und nichts Ganzes, aber die Charts rauf und runter. Irgendwo zwischen diesen unvereinbaren Welten, die sie selbst hören und dann doppelt und vierfach zu vereinen suchten, entstand dann ich. Mitten zwischen den Nummer-1-Hits von Madonna, Michael und Bono.

Doch zum Glück bekommen wir musische Vorlieben nicht in die Wiege gelegt und so emanzipierte ich mich beizeiten musikalisch. Und lief zu Stefanie Hertel über. Bei ihr erlebte ich das erste Konzert meines Lebens und bekam das doppelt und dreifach zurück. Nach der Gesangsdarbietung wurde ich von der Künstlerin höchstpersönlich zurechtgewiesen, dass meine, teuer gekaufte, Autogrammkarte ja bereits unterschrieben wäre und was ich mich erdreiste, mich dennoch in der Schlange anzustellen. Entschuldigung, mein Fehler. Ich war damals vier.

Kaum hatte ich diese Schmach überwunden, kam der erste Liebeskummer. (Ja, mein Hertel-Moment dauerte über zehn Jahre, aber Bibi und Tina trösteten mich zeitweilig ganz gut.) Und, oh ja, dieser Liebeskummer saß tief. Ich war ganz alleine auf der großen, weiten Welt. Wenn das nicht problematisch genug gewesen wäre. Nein, da kommt die Pubertät mit voller Breitseite um die Ecke.


Aber auch die habe ich überstanden. Die Volksmusik hat mich abgehärtet.

Dann kam die Abiturzeit. Und die ersten Gehversuche auf Partys. Eine neuerliche Plattform für musikalische Irrungen und Wirrungen. Und, oh ja, ich hatte Spaß. Und meine Ohren erstmal. Junge Ohren verzeihen viel, wenn der Rest des Körpers Freude schreit.

Was wäre jedoch all diese Zeit gewesen, mit all ihrem Platz für Erinnerungen, Fehltritte, Überreaktionen, wenn da nicht die beste Freundin wäre? Meine beste Freundin und ich teilen unsere Liebe mit Michaela. Denn Michaela versteht uns und hat uns schon immer verstanden.

Michaela und meine beste Freundin begleiten mich bis heute, auch über die Ländergrenzen hinweg. Aus meiner Heimatstadt musste ich dennoch alleine ziehen und meinen Horizont erweitern.

Mit dem erweiterten Horizont kamen die erweiterten Reisen. Und damit wurde Musik für mich mein kosmopolitischer Freund und meine Heimat überall. Was war das für ein Hochgefühl mit der Musik aus Berlin in dem riesigen Ford Mustang und runtergelassenem Verdeck durch den südlichsten Süden Amerikas zu fahren.


Kindheit, Pubertät, das langsame Erwachsenwerden (was auch immer das bedeuten mag). All das wäre nur halb so schön gewesen, ohne die Hintergrundmusik. Die wichtigsten Ereignisse meines Lebens und auch Sommerregen, freundschaftliche Gespräche und Langeweile. Ich kann all diese Geschehnisse und noch unzählige mehr in Musik verpacken und empfinden.

Hört die Welt mit euren Ohren.

Bild und Text: Coline Erdmann
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